BehiG & Inklusion
Das Event „Creator’s Circle: BehiG & Inklusion im Aussenraum“ am 9. Mai 2023 widmete sich der zentralen gesellschaftlichen Aufgabe, den öffentlichen Raum für alle Menschen zugänglich und nutzbar zu machen. Vor dem Hintergrund des Behindertengleichstellungsgesetzes (BehiG), das klare Fristen für die Barrierefreiheit im öffentlichen Verkehr und im Aussenraum setzt, kamen Experten und Betroffene zusammen, um über rechtliche Rahmenbedingungen, praktische Umsetzungshürden und individuelle Perspektiven zu diskutieren.
Ziel der Veranstaltung war es, ein tieferes Verständnis dafür zu schaffen, dass Inklusion weit über das gängige Bild von körperlichen Behinderungen hinausgeht. Es wurde aufgezeigt, dass rund 20 % der Schweizer Bevölkerung mit einer Beeinträchtigung leben und auf eine durchgehende, barrierefreie Gestaltung angewiesen sind, um am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Das Event diente als Plattform für den Dialog zwischen Planern, Herstellern und Nutzern, um gemeinsam Lösungen zu finden, die gesetzliche Normen erfüllen und gleichzeitig im realen Alltag funktionieren.
Themen und Referenten
Gesetzliche Grundlagen & Produkte, Velopa
Als Gastgeber erläutert die Velopa AG die relevanten Gesetze (BehiG) und Normen (z. B. SIA 500, SN 640 075), die den hindernisfreien Bau regeln. Das Unternehmen verfolgt den Ansatz, Produkte wie die V‑ELEMENTS® von Grund auf inklusiv zu gestalten, statt nachträgliche Sonderlösungen anzubieten. Es wird unterstrichen, dass eine frühzeitige Planung entscheidend ist, um teure Anpassungen zu vermeiden und Inklusion als Standard zu etablieren.
Umsetzungsproblematik in der Praxis, Andreas Hochstrasser
Trotz klarer Gesetze scheitert die Umsetzung oft an mangelndem Wissen oder fehlender Sensibilität. Anhand von Praxisbeispielen wird verdeutlicht, dass etwa Bodenbeläge oder Möblierungselemente für Sehbehinderte mit dem weissen Stock ertastbar sein müssen, um keine Gefahr darzustellen. Inklusion ist erreicht, wenn die „Andersheit“ von Menschen als Gleichheit erlebt wird – ein Ziel, das massgeblich von der persönlichen Einstellung der Planenden abhängt.
Barrieren im Alltag, Philipp Handler
Philipp Handler gibt einen Einblick in die Herausforderungen für Menschen mit Achromatopsie (Farbenblindheit). Er demonstriert, dass alltägliche Systeme wie Fahrpläne, Abfalltrennung oder Ticketautomaten oft stark auf Farbcodes basieren, die für Betroffene unlesbar sein können. Sein Beitrag mahnt an, dass wahre Inklusion im öffentlichen Raum bedeutet, auch diese oft „unsichtbaren“ Barrieren konsequent abzubauen.
BehiG und Inklusion im Aussenraum, Esther Buchmüller & Christian Fricker (SBB)
Die SBB betont, dass Barrierefreiheit kein Akt des Mitleids, sondern eine gesetzliche Pflicht ist, um die gesamte Reisekette für alle sicherzustellen. Herausfordernd bleiben dabei die oft gegensätzlichen Anforderungen verschiedener Nutzergruppen sowie Zielkonflikte zwischen Funktionalität, Architektur und Denkmalpflege. Ein zentraler Fokus liegt auf der Vermeidung unnötig langer Umsteigewege und der korrekten Platzierung mobiler Elemente, um keine neuen Hindernisse zu schaffen.



